Zu früh ist auch blöd !

Logo-Deutsche Bahn

Logo-Deutsche Bahn (Photo credit: Wikipedia)

“So eine ***, die olle Bahn kommt schon wieder zu spät”. So oder so ähnlich dürften viele Reisende denken, wenn sie am Bahnsteig wieder einmal in den Genuss einer unpünktlichen Bahn kommen. Gefühlt ist jede zweite Bahn zu spät.

Mich haben mal die echten Zahlen interessiert. Laut einem Artikel auf Spiegel Online erhob die Deutsche Bahn Pünktlichkeitsdaten für den Regional und Fernverkehr. Diese sehen auf den ersten Blick gar nicht mal so schlecht aus. Im Schnitt hat jeder fünfte Fernzug der DB Verspätung, bei den Regionalbahnen kommen sogar rund 93% pünktlich ans Ziel. 

Ist ja gar nicht schlecht 🙂 Oder ? …Natürlich gibt es bei der Geschichte einen Haken: die Deutsche Bahn berücksichtigte nur Verspätungen von mehr als 6 Minuten, was auch auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, jedoch nicht berücksichtigt, dass oft auch schon 5 Minuten Verspätung oder weniger ausreichen um seinen Anschlusszug zu verpassen.

Jeder der aus nem Kuhkaff kommt, in der die Bahnen nicht im 10-15 Minutentakt pendeln weiss wovon ich spreche. Man muss die Zahlen also mit Vorsicht geniessen. Immerhin möchte die Bahn jetzt transparenter werben ( Transparenz ist ja was tolles 🙂 ) und im Internet eine Verspätungsstatistik ihrer Züge veröffentlichen, statt jährlich sogar nun monatlich…Na dann 😉

 

Die öffentliche Diskussion konzentriert sich aber zumeist auf die Unpünktlichkeit der Bahnen und Busse. Was aber auch – auf gut Deutsch gesagt- beschissen ist, sind überpünktliche Verkehrsmittel. Jeder kennt’s: man steht verschlafen auf, guckt auf die Uhr und bemerkt “ach komm, ‘hast noch Zeit, trinkste dir’n Käffchen bevor’s losgeht”. Naja. War wohl nix. Schon als die Haltestelle in Sichtweite gerät sieht man den Zug fröhlich davonbrausen. Eine Minute vor geplanter Abfahrt. Noch bitterer ist das Ganze, wenn man die Tür schon erreicht hat und sie sich gerade vor dir schließt. 😀 

Man muss aber auch fairerweise und bei allem Optimierungsbedarf sagen, dass es in derart großen Unternehmen wie der Deutschen Bahn mehr als schwierig ist eine immer hohe Pünktlichkeit in allen fällen zu garantieren. Dafür gibt es zu viele Faktoren von aussen die nicht beeinflussbar sind. 

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11 thoughts on “Zu früh ist auch blöd !

  1. Ja ne, also das mit der Deutschen Bahn scheint “hausgemacht” und ginge grundsätzlich durchaus anders.

    Ich lebe in der Schweiz und da ist man anderes gewöhnt; für einen von der Bahn nicht verwöhnten Deutschen gehts hier ziemlich präzise zu. Und ich gebe dir recht: Zu früh ist auch blöd. Man muss sich ja auf etwas verlassen können und das sind dann schon auch die frühestmöglichen Abfahrtszeiten.

    Hab kürzlich im TV eine Doku zum Thema gesehen, wo ein früherer Chef der SBB zu Worte kam und man den Betrieb DB mit SBB verglich, um zu schauen, woran die Unterschiede denn liegen.

    Vergleichbar ist das ganze insofern, weil die Dichte der Züge in der Schweiz sogar noch höher ist, also von wegen kleines Land gegen großes Land sei nicht vergleichbar gilt nicht.

    Das Résumé, kurz gesagt (mal schauen obs kurz gelingt):

    Man hat grundsätzlich ein bestimmtes Budget zur Verfügung. Die SBB sagt: Unsere Kunden erwarten Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit, sonst nehmen sie das Auto oder andere Möglichkeiten. Wie können wir also mit diesem Budget unser höchstes Ziel Pünktlichkeit am besten umsetzen. Das machen sie u.a. mit einem getakteten Fahrplan. Heißt praktisch: Alle größeren Städte werden jeweils zur halben und vollen Stunde angefahren. Das bedeutet: Ankunft immer kurz vor, Abfahrt immer kurz nach halber und voller Stunde, so ist genug Zeit zum Umsteigen. Was ich praktisch erlebe ist auch eine sehr gute Absprache per Funk untereinander, so dass aufeinander gewartet wird, wenn einer mal Verspätung hat, so dass wenigstens der Anschluss gewährleistet bleibt. Was für den Fahrgast schon mal viel Stress rausnimmt.

    Bei der DB heißt es: Okay, wir haben dieses Budget zur Verfügung, wir machen erst mal was her, investieren also in Prestige-Objekte. Dieser und jener neue Bahnhof, der ne Stange Geld gekostet hat, wird mit Presserummel groß eingeweiht und vorgezeigt. Neue Züge werden ebenso mit Presseaufgebot toll eingeweiht und gezeigt. Das Geld, das dann fehlt und eingespart werden soll, wird z.B. so eingespart, indem immer mehr kleinere Orte und Städtchen von der täglichen Verbindung abgehängt werden, sie werden also schlicht nicht mehr angefahren. Wenn man die D-Karte anschaut, welche Orte da in den letzten Jahren entsprechend “abgehängt” wurden, boah… Von getaktetem Fahrplan und gegenseitiger Absprache zwecks Anschluss hat man in D wohl noch nix gehört. Will man die verantwortlichen Herren sprechen, haben sie zu den Presseterminen nur Zeit für ein Händeschütteln und in die Kamera lächeln, aber nicht für die Antworten zu brisanten Fragen.

    Das Missmanagement der DB ist dann auch bei folgendem Beispiel gut sichtbar. Vor einigen Jahren sollte die gesamte Busverbindung auf Malta neu aufgestellt werden. Die DB hat aufgekauft, moderne Busse gekauft, also richtig investiert, teils große lange Gelenkbusse. Praktisch hat es überhaupt nicht funktioniert, weil diese Busse z.B. an manchen Engstellen schlicht nicht durchkamen (hat man vorher nicht bedacht und abgecheckt, dass die Straßenverhältnisse da andere sind), stecken blieben, nicht vor und zurück konnten und Pünktlichkeit oder Zuverlässigkeit war natürlich so nicht drin. Es war ein einziges Chaos und funktionierte überhaupt nicht zur Zufriedenheit der Malteken. Statt besser war es schlechter geworden. Letzten Endes hat sich die DB also aus Malta wieder zurück gezogen, wahrscheinlich mit ordentlichen Verlusten. Die letztlich wieder auf Kosten des deutschen Fahrgastes gehen.

    Zwei Beispiele der Schweizer Bahn, die mich echt vom Hocker gehauen haben.

    Vor inzw. viell. 10 Jahren, als ich noch an den Wochenenden zu meinem Freund in die CH pendelte, war ich eines Sonntag Abends im Regionalzug Richtung Zürich, der etwa 1/4 Std. unterwegs ist. In Zürich wollte ich in den ICE nach München umsteigen. Unterwegs waren die Fahrkarten kontrolliert worden. Dann kam die Durchsage, wegen eines Oberleitungsschadens (Wetter-bedingt) nimmt der Zug eine andere Strecke und verspätet sich mit der Ankunft in Zürich um etwa 10 Min. Mir wurde heiß und kalt, erwartete ich ja nach deutschen Verhältnissen, dass ich meinen Anschluss in Zürich knicken kann. Während ich fieberhaft überlegte, was ich tun könnte, um doch noch irgendwie zu verträglichen Kosten nach München zu kommen, um Montag Morgen im Job präsent zu sein, kam der Beamte, der vorher die Fahrkarten kontrolliert und gesehen hatte, dass ich nach München möchte und sagte, ich müsse mir keine Sorgen machen, sie hätten schon telefoniert, der Zug nach München wartet, damit ich Anschluss habe. Mir fiel ein richtiger Brocken vom Herzen. Sowas hatte ich ja noch nie erlebt.

    Anderes Beispiel aus dem Alltag hier. Ich wohne in der Pampas, nehme morgens das Postauto (gelbe Busse), das mich innerhalb von ca. 7 -10 Min. bis zur Endhaltestelle der S-Bahn bringt, mit der ich dann in 25 Min. die nächstgrößere Stadt zum Job erreiche. Kürzlich hatte der Bus soviel Verspätung, dass er erst 2 Min. vor Abfahrt der Bahn kam, so dass ein Anschluss praktisch nicht schaffbar schien. Tatsächlich gab er Gas so gut er konnte, verband sich über Funk und gab bekannt, wann er in den Ort einfuhr, so dass die Bahn auf uns wartete. Während ihrer 25 Min. Fahrt in die Hauptstadt des Kantons fuhr sie an jedem Bahnhof etwas zügiger ab als gewohnt, holte den Rückstand damit auf und fuhr auf die Minute pünktlich im Zielbahnhof ein. Das muss man erst mal nachmachen! Für Deutsche ein Traum.

    Und damit ist mein Roman zum Thema auch zu Ende 😉

    1. Wow, vielen Dank, dass Du deine Erfahrungen aus der Schweiz mit mir geteilt hast, das ganze System scheint dort ja etwas besser durchdacht zu sein als hier in D, da gebe ich dir Recht.

      Mit den Prestigebauten kann man das hier in den letzten Jahren echt gut beobachten, siehe Stuttgart 21, Berlin und jetzt bald auch wohl in Hamburg – anstatt ein für die Infrastruktur wirklich sinnvolles Konzept aufzustellen wird hier meines Erachtens nach zuerst nach Prestigeträchtigkeit abgewogen…wobei man fairerweise auch sagen muss, dass, gerade in NRW wo ich wohne, die Netzanbindungen sehr gut sind. 🙂

    2. Dann kannst du das also bestätigen mit der grundsätzlichen Unternehmenspolitik der DB.

      Wenn bei dir in NRW die Anbindungen gar nicht so schlecht sind, dann ist die Bahn da wohl stärker frequentiert, so dass man noch nicht kaputt-gespart hat.

      Bei Stuttgart21 frag ich mich schon, wohin das führen soll, wenn man so an den Menschen vorbei wirtschaftet.

      Solange ich in D lebte, dachte ich manchmal auch: Das wird halt schon nicht so einfach sein usw. Aber erst der Kontrast zum Schweizer System zeigt, dass es durchaus auch anders geht. Ein Punkt z.B., der mir später noch eingefallen ist: Schon lange können die Busse in der Schweiz auf Ampeln Einfluss nehmen, damit sie ihren Fahrplan einhalten können. Im Zweifel fährt also der Bus zuerst und alle anderen müssen warten. Finde ich aus Sicht derjenigen, die mit den Öffentlichen unterwegs sind, natürlich genial.

      1. Grundsätzlich schon !

        Nicht nur am Menschen, die ganze Infrastruktur macht gar keinen Sinn.
        Wobei es die föderale Struktur auch schwer macht großprojekte sinnvoll zu planen, vor allem über Ländergrenzen hinweg, da will natürlich jeder seinen Stempel aufdrücken (siehe auch schulsystem).

        In D gibt es dieses System mit den Ampeln teilweise auch, sehr zu meinem Ärgernis weil ich um Auto auf einen Bus warten musste 😀 Aber das ist natürlich sinnvoll und in größeren Städten unvermeidbar um pünktlich zu sein

    3. Sieh an, das wusste ich nicht, dass es das in D teilweise auch gibt mit den Ampeln. Klar, als Autofahrer weniger lustig.

      Wie meinst du das genau…?
      Zitat: Wobei es die föderale Struktur auch schwer macht großprojekte sinnvoll zu planen, vor allem über Ländergrenzen hinweg, da will natürlich jeder seinen Stempel aufdrücken (siehe auch schulsystem).
      Da kann ich dir nicht folgen.

      1. Wenn Projekte andere Bundesländer betreffen reden die ja auch ein Wörtchen mit, das macht die Planung schwerer.
        Und man kann die Gleise natürlich auch nicht nach Gutdünken verlegen, da entstehen gerne mal jahrelange Gerichtsprozesse wenn ein Grundstückbesitzer sich wehrt(was ja sein gutes Recht ist). Das macht es schwer genau zu planen und schnell auf geänderte Umstände zu reagieren

    4. Ach so hast du das gemeint, verstehe. Danke für die Erklärung.

      Ich könnte jetzt sagen: Das ist in der Schweiz grundsätzlich nicht anders, dass man Kanton-übergreifend planen muss und es da Probleme geben kann. Aber ich denke, an der Stelle lasse ichs zu dem Thema erst mal gut sein 😉

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